Schokolade Hund

Ist Schokolade für den Hund giftig?

 

“Schokolade Hund giftig” – ein gern genommener Suchbegriff bei Google in der Oster- und Weihnachtszeit. 🙂

Und ich beantworte direkt die Frage: Ja, Schokolade enthält einen für Hunde giftigen Stoff. Dabei gilt wie immer: Die Dosis macht das Gift!

Ich zeige euch, wann Panik angebracht ist – und wann ihr entspannt die nächste Schokoladenpraline essen könnt.

 

Warum ist Schokolade giftig?

TheobrominSchokolade enthält den Stoff Theobromin, der eine sympathomimetische Wirkung hat. Das heißt: Er aktiviert den Teil der Nervensystems, der für hohen Blutdruck, hohe Herzfrequenzen und eine grundsätzliche Erhöhung des Leistungsvermögens verantwortlich ist.

Jetzt denkt ihr vielleicht: Super, das hört sich doch eher positiv an. Und ihr habt recht: Unser Körper braucht diesen Teil des Nervensystems, damit wir auf Wettkämpfen die volle Leistung bringen können oder vor einem Angreifer mit allen unseren Energiereserven fliehen können.

Jetzt kommt das große Aber: Das gilt nur in einem bestimmten Rahmen und für einen kurzen Zeitraum. Theobromin kann (in entsprechenden Dosen) jedoch zu einer Überaktivierung des sympathischen Nervensystems  führen. Außerdem braucht es viele Stunden, bis der Stoff vom Körper abgebaut werden kann, sodass der Körper über mehrere Stunden in absoluter Alarmbereitschaft verbleibt und sich völlig verausgabt. In Folge kann es dann zu Atemstillstand, Herzversagen oder stark erhöhter Temperatur kommen – das kann tödlich sein.

Wirkmechanismus von Theobromin

Theobromin wird über die Darmwand beinahe vollständig aufgenommen und erreicht seinen höchsten Blutspiegel nach 2-4 Stunden – daher sollte schnell gehandelt werden, bevor sich der giftige Stoff im Hund ausbreiten konnte!

Die Plasmahalbwertszeit ist dabei mit 18 Stunden sehr lang. Das bedeutet: Nach 18 Stunden ist die Hälfte des in den Blut abgegebenen Stoffes erst abgebaut. Dadurch haben wir eine recht lange Belastung des Körpers, wenn wir nicht schnell genug handeln.
Als Vergleich: Koffein hat eine Plasmahalbwertszeit von nur ca. 3 Stunden.

Theobromingehalte

  • Bitterschokolade hat einen Theobrominanteil von 30mg pro Gramm Schokolade. Bei einer 100g-Tafel kommen wir auf 3000mg Theobromin!!! Das kann für viele Hunde tödlich enden und auch die ganz Großen in Gefahr bringen.
  • Vollmilchschokolade hat immerhin noch 2,5mg pro Gramm aufzuweisen. Bei einer 100g-Tafel sind das bereits 250mg Theobromin – für einen Irischen Wolfshund nicht unbedingt gefährlich, für meine Hunde aber sicher schon unangenehm und für einen Prager Rattler sicher kritisch!

Die Dosis macht das Gift

Um anzugeben, wie giftig ein Stoff ist, wird der Wert LD50 herangezogen. LD50 bedeutet “Letale Dosis 50” und beschreibt die Menge eines Stoffes, die die Hälfte der Tiere (50%) tötet, wenn es verabreicht wird. Bei Theobromin schwanken die Angaben hier zwischen 100mg pro kg Körpergewicht und 500mg pro kg Körpergewicht.

Vergiftungserscheinungen können aber schon bei deutlich geringeren Dosen auftreten. Ab 20mg pro kg Körpergewicht sind Symptome möglich.

Ihr könnt ja mal für euren Hund ausrechnen, wie viel Schokolade er fressen müsste, damit die ersten Symptome auftreten (20mg/kg) und wie viel Schokolade er für eine potentiell tödliche Dosis fressen müsste (100mg/kg). So habt ihr eine ungefähre Vorstellung davon, wann es für euren Hund gefährlich wird.

 

Symptome

Ich habe oben ja schon kurz auf die Wirkung des Theobromin hingewiesen. Es aktiviert den Sympathikus – den Teil des Nervensystems, der für “Fight or Flight” (also: Flucht oder Kampf) zuständig ist.

Durch die starke Aktivierung kann es also zunächst unter anderem zu Durchfall, Unruhe, Fieber und Muskelzittern kommen.

Ein tödlicher Ausgang ist in der Regel auf Herzversagen, Atemstillstand oder erhöhte Körpertemperatur zurückzuführen.

Ist jede Schokolade “gleich giftig”?

Nein, es kommt auf den Kakaoanteil an!

Je höher der Kakaoanteil in der Schokolade, desto mehr Theobromin ist enthalten. Weiße Schokolade ist daher so gut wie unbedenklich, während die 80%-ige Zartbitterschokolade schnell gefährlich werden kann.

 

Es ist passiert: Die Schokolade ist im Hund

Ganz ehrlich: Das ist auch mir schon passier! 🙁 Leider.

Da habe ich doch mal über Nacht den Schokoteller auf dem Wohnzimmertisch gelassen. Geht normal keiner ran, auch in dieser Nacht nicht. Aber während ich dann am nächsten Tag in einer Fortbildung saß, rief mein armer (leicht panischer) Freund an: Chris hat den ganzen Teller Schokolade gefressen…

Es sei nochmal gesagt: Frisst eine Dogge eine kleine Schokopraline, wird nichts passieren. Frisst ein kleiner Chihuahua dieselbe Praline und sie ist aus Zartbitter ist dagegen Alarm angebracht.

Ab zum Tierarzt!

Da gilt es: Nicht lange fackeln und ab zum Tierarzt!

Hier werdet ihr ein Brechmittel für euren Hund bekommen, damit der Mageninhalt schnell wieder entleert wird. Wenn ihr schnell seid und euer Hund innerhalb von 1-2 Stunden beim Tierarzt behandelt werden kann, ist das in der Regel schon ausreichend.

Auch Aktivkohle kann helfen, die Stoffe im Kot zu binden, sodass nicht so viel aus dem Darm aufgenommen wird. Infusionen helfen das Blut zu verdünnen und so die Symptome abzumildern und die Ausscheidung über die Nieren zu verstärken.

 

Mein Rat

Ich würde euch empfehlen: Rechnet euch einmal aus, welche Dosen für euren Hund gefährlich werden können. Ist der Fall eindeutig (hat z.B. der Schäferhund ein Überraschungsei gegessen (ohne das Plastik natürlich 😉 ), könnt ihr vermutlich beruhigt sein.

Im Zweifel sucht aber lieber einmal zu oft den Tierarzt auf und lasst ihn über das weitere Vorgehen entscheiden!

Und: Genießt eure Schokolade! 🙂 Ich mache mir jetzt erstmal einen Kakao…

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